Die verschiedenen Disziplinen des Westernreitsports finden ihren Ursprung alle in der früheren Arbeit des amerikanischen Cowboys. Es haben sich im Laufe der Zeit eine Menge von Spezialdisziplinen entwickelt. Die Disziplinen sind unter anderen Reining, Western Pleasure, Trail, Horsemanship, Hunter under Saddle und die Rinderdisziplinen Cutting und Working Cowhorse. Hierzu jedoch später mehr.

Die Pferde müssen möglichst eigenständig arbeiten und auf kleinste Gewichts- und Schenkelhilfen reagieren. Daher kommt die typische einhändige Zügelführung(Neck-Reining), da der Cowboy oft eine Hand frei haben muss. Diese Zügelführung wird allerdings nur in Verbindung mit einer „Westernkandare“ (Bit), einem Gebiss mit unterschiedlichen Mundstückvariationen verwendet.

Spektakuläre Stopps, bei denen das Pferd mit der Hinterhand fast auf dem Boden „sitzt“ und mit den Vorderbeinen weiterläuft, oder schnelle Drehungen ( Spins) um die Hinterhand, verbunden mit rodeomäßiger Atmosphäre und Cowboykleidung, prägen das Bild vom Westernreiten. Allerdings gibt es auch hier Regeln, wie Reiter und Pferd bei einem Turnier ausgestattet sein müssen. Das variiert von Disziplin zu Disziplin. Hut, Jeans und Stiefel gehören immer dazu. Genau wie bei anderen Reitweisen gilt es aber auch beim Westernreiten, eine solide Ausbildung zu bekommen und sein Können permanent zu verbessern. Das bedeutet, wie bei jeder anderen Reitweise auch, in erster Linie das Üben von Basiselementen und nicht das Reiten von Show-highlights, die, falsch geritten, zudem schnell den Pferden gesundheitliche Schäden zufügen können.

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Reining

Reining ( Reins= Zügel) ist die in Europa momentan populärste Disziplin, mit vielen rasanten Lektionen in präziser Ausführung. Diese Disziplin wird im Galopp geritten, gemischt mit Tempowechseln, Drehungen (Spins), Stopps ( Sliding Stops) und Rückwärtsrichten (Back up). Um diese Disziplin richtig ausüben zu können, haben die Pferde spezielle Hufeisen (Sliding-Eisen) und auch der Boden muss geeignet sein. Eine vorgeschriebene Aufgabe (Pattern) ist auswendig zu reiten. Zu den Manövern zählen Spins, Sliding Stops, Zirkel, fliegende Galoppwechsel, Roll Back, Speed Control und Rückwärtsrichten. Reining ist seit April 2000 offiziell als FEI-Disziplin anerkannt und Bestandteil der Weltreiterspiele.


Cutting

Cutting ist die wohl publikumswirksamste aller Westernreitklasse. Darüberhinaus ist es in den USA der bestbezahlte Sport überhaupt. Es rangiert noch vor Tennis und Golf. Neben "Team Penning" und "Working Cowhorse" ist Cutting wohl auch eine der Ursprünglichsten Disziplinen des Westernreitens, wobei "bewegerische" Elemente dieser Rinderklassen auch in der Reining (Westerndressur) wieder auftauchen.
Und darum geht's:

Die Teilnehmer beginnen wie auch bei der Reining mit 70 Punkten doch haben sie nur 2 1/2 Minuten Zeit für Ihre Prüfung. Die Maximalpunktzahl ist 80. Die Zeit zählt von dem Moment, da das Pferd die Zeitlinie ca. zehn Meter vor der Herde passiert und endet mit einem Tonsignal. Es gilt ein Rind aus der Herde zu separieren und es von ihr abzuschneiden (to cut). Je ausgeglichener und ruhiger die Herde bei der Separation bleibt und je tiefer der Cut in die Herde ist, desto mehr Punkte gibt es. Sobald das separierte Rind von der Herde getrennt ist, senkt der Reiter die Zügelhand knapp über den Pferdehals. Das ist für das Pferd und den Richter das Signal, daß das Pferd von jetzt an ohne weiter Hilfen des Reiters alleine arbeiten muß. Es muß sich durch schnelle, teils katzenhafte Bewegungen immer so vor dem ausgesondertem Rind befinden, daß dieses nicht zu seiner Herde zurück kann.


Working Cowhorse

Diese Rinderdisziplin wird in zwei Teilen geritten. Im ersten Teil zeigen Pferd und Reiter ihr Können in einem Reining-Pattern, also „Trockenarbeit“, im Fachjargon „Dry Work“. Im zweiten Teil ist Fence Work verlangt. Hier muss er ein Rind zunächst an der kurzen Seite halten (boxing), dann zweimal gegen die lange Seite (Bande) wenden. Den Abschluss bildet das Zirkeln des Rindes auf jeder Hand in der Bahnmitte (mit fliegendem Galoppwechsel des Pferdes). Hierbei ist besonders der Cow Sense des Pferdes gefragt.

 

Western Pleasure

Der Name ist Programm. In dieser Gruppenprüfung ruht das Hauptaugenmerk auf der Leichtrittigkeit und der Bequemlichkeit des Pferdes in den Grundgangarten. Die Pferde werden am angemessen losen Zügel vorgestellt und man sollte dem Reiter ansehen können, daß es für ihn ein Vergnügen ist, sein Pferd zu reiten.
Die Kommandos für die Reiter erfolgen durch den Richter, der für eine gute Bewertung nach folgenden Kriterien vorgeht. Im Schritt (Walk) soll das Pferd in einem gleichmaßig flotten Tempo gezeigt werden, während im Trab (Jog) und im Galopp (Lope) etwas verhaltener geritten wird, so daß die Pferde leichtfüßig und ausbalanciert auf dem Hufschlag gehen.
Die Übergänge zwischen den Gangarten sollten weich und harmonisch sein und möglichst unmittelbar nach dem Kommando des Richters erfolgen. Desgleichen sollte auch die Hilfengebung des Reiters so weich sein, daß sie am besten gar nicht sichtbar ist. Es werden alle drei Gangarten in beiden Richtungen vorgestellt. Der Richter kann zur besseren Unterscheidung der Teilnehmer zusätzlich auch eine Trabverstärkung (Extended Jog) verlangen, was in der Regel eher selten geschieht. Darüberhinaus müssen die Pferde leicht rückwärts zu richten sein (backup) und ruhig stehen können. Das wird beim "Line Up" am Abschluß der Prüfung erwartet.
Die Teilnehmerzahl beträgt meistens nicht mehr als 14, darüberhinaus wird in zwei oder mehr Cuts geritten. Das heißt, die Teilnehmer werden in mehrere Gruppen aufgeteilt und die Bestplatzierten aus diesen Untergruppen reiten anschließend im Final gegeneinander.
Ein gutes Pleasurepferd sollte außer seiner Leichtrittigkeit auch eine gute Portion Nervenstärke mitbringen, um sich in der Prüfung nicht von einem schlechteren Pferd mitreißen zu lassen.Erfahrene Pleasurereiter, suchen sich in der Prüfung immer einen Platz in der Gruppe, an dem sie genügend Freiraum zu den anderen Teilnehmern haben und für den Richter gut sichtbar sind. Wer die Qualitäten der Mitbewerber kennt, wird sich wenn möglich außerdem aussuchen welche Teilnehmer während der Prüfung vor bzw. hinter einem reiten.


Halter

Halter ist die Zuchtshow der Westernpferde. Dazu werden die Pferde am Showhalfter an der Hand vorgestellt. Es erfolgt eine Bewertung der Gänge in Schritt (Walk) und Trab (Jog).
Um das Exterieur und Gebäude der Pferde bewerten zu können, werden sie am Showhalfter aufgestellt.

Trail

Beim Trail werden Geschicklichkeitsaufgaben gefordert, wie z.B. ohne Absitzen durch Weidetore zu gehen, was kontrollierte, exakte Bewegung des Pferdes in alle Richtungen erfordert (Rückwärtsrichten, Seitgänge), oder überqueren von Holzbrücken, wobei Gelassenheit und Vertrauen des Pferdes zum Reiter sichtbar werden. Es werden alle möglichen und unmöglichen Situationen simuliert, die einem Reiter im Gelände (auf einem Trail = Wanderritt) begegnen können. Hierbei ist es wichtig, dass sich das Pferd selbstständig und geschmeidig, ohne große Einwirkungen des Reiters durch die Hindernisse bewegt.

 

Western Horsemanship

In diesem Wettbewerb werden die Leistungen des Reiters beurteilt. Zur Bewertung kommen unter anderem die Hilfengebung und die Haltung des Reiters während der einzelnen Lektion. Die verlangte Aufgabe muss sehr exakt ausgeführt werden, was auch eine enorme Kontrolle des Pferdes voraussetzt. Es sind keine spektakulären, dafür aber sehr anspruchsvolle Manöver, die an Pferd und Reiter gestellt werden. Die Prüfung besteht aus zwei Teilen, von denen der erste zu 80 Prozent in die Wertung eingeht. Im ersten Teil absolviert der Reiter eine zumeist kurze, aber umso exakter auszuführende Einzelaufgabe. Der zweite Teil,die Railwork, der zu 20 Prozent in die Wertung einfließt, entspricht einer Pleasure-Prüfung. Hierbei kann der Richter bestimmen, ob er alle Teilnehmer an der Pleasure teilnehmen lässt. Im Gegensatz zu einer Pleasure-Prüfung wird hier allerdings weiterhin der Reiter beurteilt. Macht der Reiter einen Fehler, so bekommt er für diese Aufgabe weniger Punkte oder gar keine.

 

Western Riding

Im Western Riding werden punktgenaue fliegende Galoppwechsel gefordert, welche weich und am angemessen losen Zügel geritten werden sollen.Diese Disziplin gilt als eine der Schwierigsten.


Showmanship at Halter

Die Showmanship at Halter ist eine Disziplin, in der nicht das Reiten im Vordergrund steht, sondern korrekte Bodenarbeit als Ausbildungsmaßstab zu Grunde liegt. Sie wird nur in der Jugendklasse und in Amateurklassen angeboten. Bewertet wird ausschließlich der Teilnehmer selbst, wie er sein Pferd am Halfter vorstellt. Natürlich hat ein gut ausgebildetes ruhiges Pferd einen positiven Einfluss auf die Gesamtbewertung. Neben der korrekten Aufstellung des Pferdes und der genauen Absolvierung der verlangten Aufgabe gehört auch der Pflegezustand von Pferd, Ausrüstung und Kleidung zur Bewertung. Wie in allen anderen Jugendklassen auch sind keine Hengste bei diesen Prüfungen zugelassen.

 

Hunter under Saddle

Der Reiter soll ein williges, leicht zu reitendes Pferd mit ausgreifenden Gängen vorführen. Das Pferd wird in englischem Sattel und Zäumung vorgestellt, entsprechende Kleidung wird vom Reiter verlangt.

Hunter Under Saddle verlangt ähnlich wie der Western Pleasure die drei Grundgangarten Walk, Trot und Canter, allerdings in erhöhtem Tempo. In der Klasse Hunter Hack sind außerdem zwei Sprünge zu absolvieren.

 


In diesen kurz beschriebenen Westernreitdisziplinen kann man dann auf ApHC Approved Turnieren starten. „ApHC approved“ heißt, daß ein Turnier ordnungsgemäß beim Mutterverband in USA angemeldet wird. Dies muß in einer bestimmten Frist ( 100 Tage) vor einem jeweiligen Turnier geschehen. Je nach dem, wieviele Richter auf einem Turnier richten, müßen dementsprechend Gelder an den Verband in Amerika bezahlt werden. Geschieht dies nicht, wird das Approval ( „Die Anerkennung") aberkannt. Approved Turniere sind daher wichtig, daß die Turnierteilnehmer, je nach Platzierung, auf den Turnieren Punkte sammeln können. Diese Punkte sind bei den Teilnehmern sehr begehrt, da man bei einer bestimmten Anzahl an Punkten Auszeichnungen für sein Pferd bekommt. Diese Auszeichnungen stellt der Mutterverband in den USA aus. Hier gibt es das ROM ( Register of Merit) zu erwähnen. Bei 10 erreichten Showpoints, wird diese Auszeichnung verliehen. Beim ApHC Germany werden selbstverständlich auch Auszeichnungen vergeben. Hier werden die begehrten Punkte auf so genannten Highpoint-Shows erritten.

Highpointshows sind alle Shows ( Turniere), wo sich die Veranstalter an folgende Kriterien halten:

 

1.) Anmeldung der Show beim ApHCG bis spätestens zum Termin der Jahreshauptversammlung des jeweiligen Showjahres.

2.) Korrekte Punktevermittlung nach USA

3.) Einhaltung des aktuellen Rulebooks

4.) Die jeweils auftretenden Fees in USA müßen korrekt bezahlt werden

5.) Eine Kopie der jeweiligen Pointliste ist an den Sportwart des ApHCG zu senden, bis spätestens 4 Wochen vor der Convention.

 

Dann gibt es noch die Unterteilung der jeweiligen Reiter. Diese werden aufgeteilt in drei Hauptklassen.

1.) Open Reiter. Hier sind grundsätzlich alle Reiter zugelassen. Hauptsächlich starten hier jedoch die Reiter, die mit Beritt und Training von Pferden Ihr Geld verdienen. Sprich hier sind überwiegend die „ Berufsreiter“ ( Profis) wieder zu finden.

2.) Non Pro Reiter. In Non Pro Klassen muss das Pferd ganz im Besitz des Vorstellers sein oder dem Ehepartner, Kind,Stiefkind, gesetzl.Vormund, Vater, Mutter, Stief- Vater/Mutter, Geschwister, Großeltern, Enkelkindern, Mündel( das gleiche gilt auch für alle angeheirateten Verwandschaftsgrade wie oben) oder einer Firma sein, die vollständig im Besitz der Familie ist, gehören.

3.) Youth Reiter: die gleiche Regel wie bei Non Pro’s ( jedoch akzeptiert der ApHC, wenn der Jugendliche mit als Eigentümer eingetragen ist), außerdem kann das Pferd auch Halb- Geschwistern, Neffen, Nichten gehören.

 

Es wird allerdings nicht nur bei den Reitern nach Alter unterschieden, sondern auch bei den Pferden. Hier wird unterteilt in Junior und Senior Pferd. Die Reitklassen fangen an für 3. Jährige Pferde und sind bis zum 5. Lebensjahr Junior Klassen. Ab dem 6. Lebensjahr müßen die Pferde in Senior Klassen gestartet werden. Die Pferde werden Ihres Alters entsprechend im jeweils angemessenem Gebiss geritten. Junior Pferde entweder gebissloß oder im Snaffle Bit ( Wassertrense), welche natürlich eine zweihändige Zügelführung erfordern. Senior Pferde werden, wie man im Fachchargon sagt, im Bit geritten. Das heißt, sie müßen einhädig auf Westernkandarre geritten werden, wobei die Mundstücke hier variiren können.

 

Alle Angaben ohne Gewähr.

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